Wie läuft ein professioneller Coachingprozess ab?

veröffentlicht am %20-%000-%2008

Ein Coaching ist kein loses Gespräch und kein starres Standardprogramm. Es folgt einer nachvollziehbaren Struktur, bleibt aber offen für das, was sich im Prozess zeigt. Sieben Phasen geben Orientierung – von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Abschluss und zur Evaluation.

Struktur gibt Sicherheit. Entwicklung bleibt offen.

Ein professioneller Coachingprozess braucht einen klaren Rahmen: ein nachvollziehbares Anliegen, eine tragfähige Arbeitsbeziehung, vereinbarte Ziele, geregelte Vertraulichkeit, eine angemessene Prozessgestaltung und einen bewussten Abschluss.

Trotzdem verläuft Coaching selten geradlinig. Erkenntnisse verändern Ziele, neue Erfahrungen werfen andere Fragen auf und die Umsetzung führt häufig zurück in die Reflexion.

Das Prozessmodell des DBVC beschreibt deshalb zwei Bewegungen: den zeitlichen Verlauf des gesamten Coachings und ein wiederkehrendes, spiralförmiges Muster innerhalb einzelner Sitzungen. Das Modell ist eine Orientierung, kein starres Rezept. Dialogische Entwicklungsprozesse bleiben grundsätzlich nur begrenzt planbar.

1. Kontakt aufnehmen und Passung klären

Im ersten Gespräch lernen wir uns kennen und klären, ob Coaching für Ihr Anliegen grundsätzlich geeignet ist.

Dabei besprechen wir: Was führt Sie gerade jetzt ins Coaching? Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit? Welche anderen Personen oder organisationalen Interessen spielen eine Rolle? Ist Ihr Anliegen freiwillig und im Coaching bearbeitbar? Passen meine Arbeitsweise und Erfahrung zu Ihrer Situation? Und stimmen die persönlichen Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit?

Sie erfahren, wie ich arbeite und welche Rolle ich als Coach einnehme. Ebenso prüfe ich, ob ich den Auftrag fachlich und ethisch verantworten kann.

Die Entscheidung für eine Zusammenarbeit liegt auf beiden Seiten.

2. Ausgangslage, Auftrag und Ziele klären

Zu Beginn des eigentlichen Prozesses betrachten wir Ihre Situation genauer.

Wir klären: Was ist konkret geschehen? Welche Themen gehören zusammen? Welche bisherigen Lösungsversuche gab es? Was soll sich durch das Coaching verändern? Woran würden Sie einen hilfreichen Prozess erkennen? Welche Ziele können Sie selbst beeinflussen – und welche Erwartungen bestehen gegebenenfalls seitens der Organisation?

Ziele müssen nicht von Anfang an vollständig feststehen. Häufig werden sie im Prozess präzisiert oder verändert. Entscheidend ist, dass wir nicht an vordergründigen Symptomen arbeiten, während das eigentliche Anliegen unangetastet bleibt.

Rahmenbedingungen wie Umfang, Dauer, Honorar, Absagen, Vertraulichkeit und gegebenenfalls Berichtspflichten werden transparent vereinbart. Der DBVC versteht den Coaching-Kontrakt als Schutz- und Klärungsrahmen, nicht als Ausdruck von Misstrauen.

3. Anliegen und Kontext verstehen

Nun wird das konkrete Anliegen in seiner Tiefe und in seinem organisationalen Zusammenhang betrachtet.

Wir untersuchen dabei Ihre Wahrnehmung der Situation, beteiligte Personen und Interessen, Rollen und Erwartungen sowie formale und informelle Entscheidungswege. Ebenso richtet sich der Blick auf bisherige Interaktionen, wiederkehrende Konflikte, persönliche und organisationale Ressourcen und auf Rahmenbedingungen, die Veränderung ermöglichen oder begrenzen.

Nicht jedes Problem ist allein durch persönliches Verhalten entstanden. Manchmal wirken Strukturen, widersprüchliche Ziele, unklare Rollen oder organisationale Routinen stärker als individuelle Kompetenzen.

Am Ende dieser Phase steht ein genaueres Verständnis dessen, worum es wirklich geht – häufig verbunden mit einer präziseren Leitfrage.

4. Muster erkennen und neue Perspektiven ermöglichen

Viele Schwierigkeiten werden nicht dadurch gelöst, dass noch mehr Informationen gesammelt werden. Häufig geht es um wiederkehrende Denk-, Bewertungs-, Beziehungs- oder Handlungsmuster.

Im Coaching können wir unter anderem betrachten: Was löst eine Situation bei Ihnen aus? Welche Annahmen steuern Ihre Reaktion? Welche Rolle nehmen Sie regelmäßig ein? Was vermeiden oder schützen Sie? Welche Ressourcen sind in der Situation nicht verfügbar? Wie wirkt Ihr Verhalten auf andere – und welche organisationalen Muster wiederholen sich?

Je nach Anliegen arbeite ich mit Gespräch, Visualisierung, Perspektivwechsel, Aufstellungen, Rollenreflexion oder konkreten Erprobungen.

Methoden sind dabei kein Selbstzweck. Sie sollen Ihnen ermöglichen, etwas klarer wahrzunehmen, anders zu bewerten oder neu zu erproben.

5. Optionen und Strategien entwickeln

Aus neuen Erkenntnissen entstehen mögliche Handlungswege.

Wir entwickeln zunächst mehrere Optionen, statt vorschnell die erstbeste Lösung umzusetzen. Anschließend prüfen wir, welche Chance die jeweilige Option bietet, welche Risiken und Nebenwirkungen zu erwarten sind, was zu Ihrer Rolle und Ihren Werten passt und was im organisationalen Kontext realistisch ist. Ebenso klären wir, welche Unterstützung Sie benötigen, welche Hindernisse zu berücksichtigen sind und wer einbezogen oder informiert werden muss.

Aus einer Möglichkeit wird eine Entscheidung – und aus der Entscheidung ein konkreter nächster Schritt.

Das DBVC-Modell beschreibt diese Phase als bewusste Erweiterung und anschließende Priorisierung von Handlungsalternativen.

6. Umsetzung begleiten

Eine gute Erkenntnis verändert noch keinen Arbeitsalltag.

In dieser Phase wird ausprobiert, beobachtet und nachjustiert. Möglich sind beispielsweise die Vorbereitung eines schwierigen Gesprächs, die Simulation von Reaktionen oder die Erprobung einer neuen Gesprächsführung. Ebenso können konkrete Verhaltens- oder Entscheidungspläne, Reflexionsaufgaben zwischen den Sitzungen, die Auswertung erster Umsetzungserfahrungen, Transferimpulse und Erinnerungen sowie gegebenenfalls vereinbarte digitale Unterstützung zum Einsatz kommen.

Fehler, Widerstände und Rückschritte werden nicht als Beweis des Scheiterns behandelt. Sie liefern Informationen darüber, was noch nicht passt, welche Gewohnheiten stark sind oder welche Rahmenbedingungen verändert werden müssen.

Der DBVC beschreibt die Umsetzungsphase ausdrücklich als Aktions- und Lernphase mit Probehandeln, Feedback und Transfer in die reale Situation.

7. Abschluss und Evaluation

Ein professioneller Prozess braucht einen professionellen Abschluss.

Wir bilanzieren: Was hat sich verändert? Welche Ziele wurden erreicht, was ist noch offen? Welche Erkenntnisse bleiben wichtig, was möchten Sie eigenständig weiterführen? Welche nächsten Schritte sind sinnvoll – und was war im Prozess hilfreich oder weniger hilfreich?

Auch das gegenseitige Feedback gehört dazu. Falls das Coaching durch eine Organisation beauftragt wurde, kann ein gemeinsames Abschlussgespräch stattfinden. Persönliche Inhalte des Coachings bleiben dabei vertraulich. Kommuniziert werden nur die vorher vereinbarten Informationen.

Der DBVC empfiehlt, neben Ergebnissen auch die Qualität des Rahmens und des Prozesses auszuwerten. Ein Abschluss ist zudem bei abgebrochenen oder nicht zufriedenstellenden Coachingverläufen wichtig.

Verläuft jedes Coaching durch alle sieben Phasen?

Grundsätzlich ja – aber nicht immer in derselben Länge oder Reihenfolge.

Ein klar begrenztes Entscheidungssparring kann mehrere Phasen innerhalb eines Gesprächs durchlaufen. Ein komplexer Entwicklungsprozess kann sich über mehrere Monate erstrecken und wiederholt zu früheren Phasen zurückkehren.

Die Struktur dient dem Prozess. Der Prozess dient nicht der Struktur.

Wie lange dauert ein Coaching?

Das hängt vom Anliegen ab.

Ein einzelnes Gespräch kann bei einer klar eingegrenzten Frage hilfreich sein. Komplexe Führungs-, Rollen- oder Konfliktthemen benötigen häufig mehrere Sitzungen mit Zeit für Erprobung und Reflexion.

Dauer, Abstände und Umfang werden nach dem Vorgespräch transparent vereinbart.

Was geschieht bei einem vom Unternehmen finanzierten Coaching?

Bei einem Unternehmensauftrag müssen verschiedene Interessen klar voneinander getrennt werden: Die Organisation finanziert den Prozess und kann legitime Ziele formulieren. Die Klientin oder der Klient benötigt einen vertraulichen Reflexionsraum. Und der Coach verantwortet eine professionelle und ethisch vertretbare Prozessgestaltung.

Deshalb werden Ziele, Rollen, Vertraulichkeit und mögliche Rückmeldungen zu Beginn eindeutig vereinbart.

Sie möchten prüfen, ob ein solcher Prozess zu Ihrer Situation passt?

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